Roşiă Montană 2012 – Ein Besuch vor Ort

1 Okt

Vom 16. bis 18. August 2012, während des Fân Fest (dt. Heufest), besuchten Iulia Dornauer, Giulia Manca und Airi Uuna Roşiă Montană Sie führten Interviews mit AnwohnerInnen und AktivistInnen, BefürworterInnen und GegnerInnen des geplanten Goldabbauprojektes.

Ein Reisebericht von Giulia Manca

1400 Kilometer, eine abenteuerliche Hinfahrt, eine improvisierte Rückfahrt und eine Reihe Überraschungen.

Wir sind positiv überrascht von der fröhlichen Stimmung. Kaum zu glauben, dass das Fân Festival ursprünglich als Protestveranstaltung entstand.

Ich habe in den letzten Wochen gelernt, dass es im Leben nicht darum geht zu warten bis der Sturm vorbeigeht, sondern zu lernen wie man im Regen tanzt.” // “Am învățat săptămânile trecute că viața nu este despre cum asteptăm să treacă furtuna, ci despre cum invățăm să dansăm în ploaie!”

Ein rumänischer Spruch, der zum Motto unserer Reise wird. Eine Lebenseinstellung für die Menschen in Roşiă Montană: Die OrganisatorInnen des Fân Fest und die Angestellten der RMGC führen nebeneinander ihre Workshops, Führungen, Diskussionspodien und Filmabende durch.

Ein Mitarbeiter der RMGC führt uns durch eine Mine. Wir dürfen durch Gänge laufen, die schon in der Antike betreten wurden.

Die Berge, die dichten Wälder, die Wiesen, hier und da Holzhäuser und kleine Kirchen, überall Tiere und gleich daneben der Tagebau, mit dem charakteristisch weißlichen und rostfarbenen Gestein. Es sieht elegant aus, wie ein Amphitheater und zugleich wie eine offene Wunde. Es ist zu einem Symbol für den Konflikt geworden. Trotz der scheinbaren Harmonie, die uns überraschte, sorgt der Konflikt in der Region für Schmerzen und teilt ganze Familien.

Am Abend ist die Stimmung beim Fân Fest trotz der Kälte Fröhlich. Unter freiem Himmel wird hier heute bis früh morgens getanzt und gesungen.

Am nächsten Tag besichtige wir mit Cătălin, Mitarbeiter der RMGC, den Tagebau und bekommen eine enthusiastisch Beschreibung der Pläne der Firma. Die Region ist bereits geschädigt. Der Fluss, der hier fließt, ist rostrot wegen des hohen Anteils an giftigen Stoffen, wie z.B. Cadmium. Die RMGC verspricht das Wasser zu reinigen und die Gegend da Ende des Projektes aufzuforsten. Die Häuser des Dorfes sollen restauriert, die römischen Stollen zu einer archäologischen Sehenswürdigkeit werden.

Stolz zeigt er uns die Anlage für die Reinigung des Wassers. Rotes Wasser fließt an einem Schild entlang, das den Zutritt verbietet. Neben dem Eingang steht ein großes Aquarium mit unterschiedlichen Fischarten aus der Umgebung. Wir dürfen von dem gereinigten Wasser kosten, das dank moderner Technologie jetzt klar und trinkbar ist. Etwas betrübt reagiert unser Guide auf unsere Fragen zu den möglichen negativen Folgen des Projektes. Es gäbe keine realen Risiken. Alles wurde sorgfältig überprüft und nichts könne scheitern.

Schwierig, neutral und distanziert zu bleiben wenn es um das Schicksal von Menschen geht, die ihr Leben hier verbracht haben und hier sterben möchten. Gleichzeitig hoffen andere auf eine Zukunft durch eine neue Arbeitsstelle.

Wir fahren mit keiner eindeutigen Antwort, vielen Eindrücken sowie neuen Fragen nach Hause und freuen uns schon auf eine angeregte Diskussion in Berlin.

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